Das Baby ist da!
Heute Morgen hatte ich endlich mal wieder die Gelegenheit, früh aufzustehen. Um 4:20 Uhr klingelte der Wecker, doch dank meiner Kleinen konnte ich ihn schon vor dem ersten Klingeln abstellen. (Sarkasmus beabsichtigt!) Nach einer Tasse Kaffee und einem schnellen Milchbrötchen machte ich mich auf den Weg zu meiner Lieblingsstelle, in der Hoffnung, die kleinen Wasseramseln bereits auf den Steinen sitzen und von den Eltern bedient zu werden.
Nach einer kurzen Autofahrt kam ich an und freute mich schon darauf, loszulegen. Leider war das Wetter nicht so, wie ich es erhofft hatte. Ich hatte mich auf eine schöne goldene Stunde gefreut, wurde aber nur von Regen und Wolken empfangen. Da ich aber generell gerne im Regen unterwegs bin und es dann meistens weniger los ist, war das für mich trotzdem okay.
Gleich als ich am Fluss ankam, schwamm mir ein Biber entgegen. Ich war erst total baff, weil ich an dieser Stelle zuvor noch nie einen Biber gesehen hatte. Leider war es wegen der Wolken und des schlechten Wetters in diesem Moment noch so finster, dass kein Foto möglich war. Der Biber schwamm vorbei und nahm keine Notiz von mir. Als er weg war, ging es für mich weiter. Noch in Gedanken an den Biber bemerkte ich, dass sich in etwas Entfernung am Ufer etwas bewegte. Erst dachte ich, es wäre das Stockentenpärchen, das hier immer sitzt, aber beim Blick durch die Kamera wurde ich von einem weiteren Biber überrascht. Da dieser an einer offeneren Stelle saß und mit Essen beschäftigt war, konnte ich ihn fotografieren. Kurz darauf schwamm er flussaufwärts und war davon.
Der Biber schwimmt wieder flussaufwärts
Nach dieser angenehmen Überraschung gleich am Anfang war ich natürlich total gehyped, was noch so alles kommt. Als ich an meiner Wasseramselstelle ankam, war jedoch komplett tote Hose. Die kleinen waren schon ausgeflogen, aber ich konnte sie auch nirgends sitzen sehen. Angespannt lauschte ich, ob ich den markanten Gesang der Wasseramsel hören konnte, aber es war „nur“ ein Trupp von Gebirgsstelzen unterwegs, und die waren auf 180 und saßen keine Sekunde still. Ich wartete eine geraume Zeit, aber leider packte ich enttäuscht meinen Rucksack wieder zusammen und ging Richtung Auto zurück.
Gott sei Dank hatte ich meine Augen auf dem Boden und nicht wie üblich Richtung Wasser, sonst wäre der schwarz-gelbe Lurch, der vor mir auf dem Weg saß, platt getreten worden. Total gechillt sah er mich an. Gedanklich packte ich mich an der eigenen Nase und „schimpfte“ mit mir selbst, dass ich wieder so versessen auf eine Fotoidee war und gar nicht an das dachte, was ich sonst noch machen könnte. Natürlich war der Regen und die kühlen Temperaturen perfekt für die Feuersalamander. An die hatte ich natürlich nicht gedacht.
Ich legte den Rucksack zur Seite, schnappte mir meine Kamera mit dem Weitwinkel und probierte ein paar Fotos aus. Als ich die Hänge des Flusstals weiter inspizierte, fand ich noch zehn weitere Feuersalamander. Sogleich hatte ich eine super Alternative gefunden und ich schwenkte von der Vogelfotografie zur Amphibienfotografie um.
Aufnahme mit meinem Weitwinkelobjektiv
Wer findet beiden Feuersalamander?
Versteckt im Laub kommen immer mehr Feuersalamander hervor
Nach dieser angenehmen Überraschung packte ich zusammen und als ich mich umdrehte, wer saß da direkt vor mir auf einem Stein? Meine gesuchte Wasseramsel.
Als ob sie mich schon länger beobachtete, schaute sie mich an und flog nach kurzer Badeeinheit weiter. „Sie ist also doch noch da!“, dachte ich mir. Da mein Magen sich langsam mit einem Knurren meldete und ich doch noch zeitig beim Frühstück zu den Mädels heimwollte, machte ich mich auf den Weg nach Hause.
Kurz vor dem Auto, wo zuvor noch der Biber saß, flog auf einmal ein grauer, kleiner, dicker Klops an mir vorbei. „Das wird doch jetzt nicht wirklich die kleine Wasseramsel sein“, dachte ich mir. Nach meinem Blick durchs Teleobjektiv stellte ich fest, dass sie es wirklich war. Und sie hatte einen Riesenappetit. Dem Altvogel versuchte sie immer hinterherzukommen und bettelte so oft sie konnte nach Futter. Während der Altvogel grazil ins Wasser tauchte, machte die kleine Wasseramsel einen Bauchplatscher nach dem anderen. Es war herrlich anzuschauen. Ich hatte mich hinter dem hohen Gras versteckt und konnte sie so wunderbar ungestört beobachten, und es war ein Fest zuzusehen. „Jetzt habe ich es doch noch geschafft“, freute ich mich, als ich die Nachricht meiner Frau schickte, und machte mich glücklich auf den Weg zum Auto.
Plötzlich sitzt die Wasseramsel hinter mir
Der Fluss glänzt in besonderen Farben
Der Hunger ist groß
Nach dem Stress wird das Gefieder geputzt
Schon als kleine Wasseramsel posiert sie wie ein Profi ;)