Warum sich jede Stunde des Wartens gelohnt hat: Die Otter am Fluss

Manchmal muss man einfach Glück haben. Letzten Sonntag war ich mit meiner Familie am Fluss unterwegs. Wir hatten unsere Große davon überzeugt, eine kurze Wanderung zu machen. Sie willigte nur ein, weil wir sie überzeugen konnten, dass sie keinen Berg rauf muss. ;) Plötzlich mitten am Tag, gegen 13 Uhr bei hellem Tageslicht, bewegte sich plötzlich was im Wasser. Meine Frau meinte: “Das sind doch Fischotter!” Kurz hingeschaut und ich bemerkte: Tatsächlich! Drei kleine Fischotter. Dass man die Tiere tagsüber überhaupt zu Gesicht bekommt, ist schon selten genug. Immer wieder trauten sich die kleinen Kerle aus einer kleinen Insel mit Schilf heraus und beobachteten die Leute. Immer wenn ein Fahrradfahrer dran vorbeifuhr, erschreckten sie und versteckten sich dann kurze Zeit wieder. Unentwegt fiepte sie nach ihrer Mutter. Das hört sich immer so ähnlich wie ein kleiner Vogel an. Leider hatte ich aber keine Kamera dabei und so blieb es nur bei ein paar Handyvideos, bevor die drei Fischotter verschwanden. Was mich verwunderte, war, dass in der Zeit, in der wir die Drei beobachteten, bestimmt 30 - 40 Leute an uns vorbeigingen und niemand die Fischotter bemerkte, die direkt vor uns im Wasser waren. Da wundere ich mich nicht, dass so manche Leute gar nicht wissen, was es eigentlich bei uns noch alles für interessante Tiere zu beobachten gibt.


Natürlich konnte ich das Ganze nicht auf mir sitzen lassen und so hieß es für mich am Abend gleich, alles für den nächsten Morgen zu packen, damit ich gleich am Morgen ausrücken kann. Im Internet suchte ich mir noch eine Stelle raus, wo ich mein Auto stehen lassen konnte, um nicht so einen weiten Weg dorthin zu gehen. Als ich am nächsten Morgen dann vor Ort war, war überhalb des Flusses alles in Nebel gehüllt und eine ganz mystische Stimmung hatte sich dort ausgebreitet. Es war auch überraschend kalt und nach einer Stunde am Fluss sitzen merkte ich, dass ich mich überhaupt nicht auf die Kälte eingestellt hatte und mich schon ziemlich gefroren hatte. Die Fischotter hatten auch keine Lust und außer einem Eisvogel, der einmal an mir vorbeizischte, war alles recht ruhig. Also packte ich meine Sachen zusammen und fuhr zum Frühstück nach Hause. Ich hatte ehrlich gesagt auch nicht damit gerechnet, dass das gleich alles so klappte, wie ich es mir vorgestellt habe ;)



Am nächsten Morgen war es wesentlich wärmer und angenehmer. Ich konnte sogar auf meine Jacke verzichten. Allerdings war auch relativ lange tote Hose am Fluss und so bin ich einfach ein Stück weiter gewandert und habe mich damit beschäftigt, den wunderschönen Auwald zu fotografieren. Als ich mich wieder auf den Rückweg machte, entdeckte ich eine Wasseramsel, die sich ohne viel Scheu ablichten ließ, und kurz danach war ein Eisvogel in der Nähe, der sich die kleinen Fische schnappte. Ich beobachtete ihn ein Weilchen und als er an mir vorbeiflog, kam aus dem Schilf ein weiterer Eisvogel und verfolgte den ersten. Die beiden landeten an einem naheliegenden Baumstamm und am Verhalten des zweiten Vogels merkte ich, dass es sich um einen Jungvogel handelte, der um das Futter bettelte. Da ich die beiden die ganze Zeit im Blick hatte, merkte ich, als sie losflogen, und ich konnte den Eisvogel direkt beim vorbeifliegen erwischen. Dazu sieht man noch den Fisch in seinem Schnabel. Ein Foto, das ich schon lange machen wollte. Im Anschluss packte ich wieder zusammen und machte mich in Richtung Auto auf den Weg.

Der Eisvogel ist pfeilschnell und gar nicht so leicht zu fotografieren


Ich muss zugeben, dass am dritten Tag meine Motivation nicht allzu groß war, wieder so früh aufzustehen, aber eine Tasse Kaffee half mir doch, in die Gänge zu kommen. Auf dem Weg nach unten flog gleich ein Graureiher auf. Im Anschluss hörte ich ein Piepsen und Fauchen in der Nähe und mein erster Gedanke war, dass das die kleinen Fischotter sein könnten. Die Geräusche habe ich schon mal bei anderen Jungtieren gehört. Das ließ mich sofort voll konzentriert werden und ich untersuchte mit meiner Kamera die Uferzonen mit der Hoffnung, etwas zu sehen. Leider war nichts in Sicht. Wie ich es manchmal bei den Insekten handhabe, dachte ich mir, ich setze mich jetzt einfach mal hin und warte, was alles so passiert.

Ein Graureiher fliegt ab


Nach einer kurzen Zeit hörte ich wieder Geräusche und mit einem Blick aufs Wasser erkannte ich in der Ferne eine Silhouette vom Fischotter. Sogleich schnappte ich mir meine Kamera und den Rucksack und spurtete in diese Richtung. Vorne angekommen hörte ich schon wieder einen kleinen Fischotter fiepen und ich hatte das Glück, dass dieser sogar auf einen Stein kletterte. Dann verschwand er. Was dann folgte, war der Wahnsinn, weil die Fischotter-Mutter mit allen drei Jungtieren auf die Jagd ging. Die Fischotter akzeptierten mich in meiner Entfernung, die ich einhielt. Da war auf einmal so viel los, wenn vier Fischotter unterwegs sind, das kann man sich kaum vorstellen. Einer kletterte auf allen rum, der nächste biss in die Seggen, zwei kämpften miteinander und einer fing an, seinen Schwanz zu jagen und hineinzubeißen. Währenddessen suchte die Mutter unentwegt nach Futter und sobald sie etwas hatte, stürmten alle Jungtiere auf sie zu, um einen Happen zu bekommen.



Ich konnte die Fischotter ca. 1,5 - 2 Stunden beobachten, bis sie genug hatten und sich wieder verzogen. Über diese Begegnung bin ich einfach so dankbar. Vor allem ist es so ein wunderbares Gefühl, wenn die Tiere wissen, dass man da ist und man von diesen einfach akzeptiert wird, so lange man Respekt gegenüber zeigt. Ich hoffe, ich kann die Bande in Zukunft noch ein paar Mal beobachten, bis sich die Jungtiere auf ihren eigenen Weg machen.

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Der Schrecken der Heuschrecken